Clemens Schuldt, einer der spannendsten jungen Dirigenten Deutschlands, ist Chefdirigent des Münchener Kammerorchesters. Seine innovativen Interpretationen des klassischen und romantischen Repertoires und seine Kreativität beim Einbinden unbekannter oder moderner Stücke in die Konzertprogramme werden weithin gelobt. Höhepunkte der Saison mit dem Münchener Kammerorchester ist eine Produktion von Mozarts „Cosi fan tutte“, in Zusammenarbeit mit der Theaterakademie München,  Komponistenporträts von Helmut Lachenmann und Anna Thorvaldsdottir, Tourneekonzerte in Moskau mit Igor Levit, Grenoble mit Francois Leleux und zwei Konzerte beim Mozartfest Würzburg. Solisten in München sind unter anderen Isabelle Faust, Elisabeth Leonskaja, Lise de la Salle, Arthur und Lucas Jussen, Jean Guihen Queyras und Kian Soltani. 

Gastdirigate führen ihn zu Orchestern wie dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, die Radio-Sinfonieorchester des WDR, SWR und des ORF, Bamberger Symphoniker, Philharmonia Orchestra London, BBC Philharmonic Orchestra, Royal Scottish National Orchestra, Royal Northern Sinfonia und dem Scottish Chamber Orchestra. Außerdem dirigiert er das Netherlands Philharmonic Orchestra, Orchestre de la Suisse Romande, Norwegian National Opera Orchestra, Swedish Chamber Orchestra, Polish National Radio Symphony Orchestra, Orchestre Philharmonique de Strasbourg, Orquesta Nacionales de España, Orquestra Simfònica de Barcelona, Yomiuri Nippon Symphony Orchestra, New Japan Philharmonic, Tasmanian Symphony Orchestra und Hong Kong Sinfonietta.

In der Saison 2018/19 kehrt Clemens Schuldt zum WDR Sinfonieorchester, Philharmonia Orchestra mit Kit Armstrong, BBC Philharmonic, Scottish Chamber Orchestra mit der Uraufführung von Jonathan Doves Konzert für Akkordeon, Swedish Chamber Orchestra und dem   Orquesta de Las Palmas zurück. Er gibt Debüts mit den Duisburger Philharmonikern mit dem Armida Quartet, Bournemouth Symphony mit Baiba Skride, Lahti Symphony mit den Requien von Fauré und Mozart, Orquesta Sinfonica de Galicia und dem Polish Baltic Orchestra Danzig mit Prokofieffs Symphonie Nr. 7. In den USA ist er zum ersten Mal am Pult des North Carolina Symphony Orchestra mit Brahms‘ Symphonie Nr. 2 zu erleben.

Operndirigate spielen eine wichtige Rolle in seinem künstlerischen Schaffen. In den beiden letzten Spielzeiten war er Dirigent in Residence am Staatstheater Mainz und leitete dort Neuproduktionen von Bellinis „Norma“, Glucks „Armide“, Gounods „Faust“ und Verdis „Rigoletto“. Er dirigierte am Landestheater Innsbruck ebenfalls eine Neuproduktion von „Faust“ und leitete Vorstellungen von Offenbachs „Les contes d’Hoffmann“ am Theater Osnabrück und von Dvoraks „Rusalka“ am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.

Clemens Schuldt gewann 2010 den renommierten Donatella Flick Dirigierwettbewerb in London und war ein Jahr lang Assistant Conductor des London Symphony Orchestra, wo er mit Dirigenten wie Sir Colin Davis, Valery Gergiev und Sir Simon Rattle arbeitete. Der gebürtige Bremer studierte zunächst Violine, spielte beim Gürzenich-Orchester Köln und bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Im Anschluß daran absolvierte er ein Dirigierstudium in Düsseldorf, Wien und Weimar.

13 Fragen an Clemens Schuldt

(aus der Saisonbroschüre des Münchener Kammerorchesters)


1. Bist Du eher der Sprinter oder der Ausdauertyp? 

„Früher Sprinter, heute Ausdauer.“


2. Kämpfer oder Spieler? 

„Spieler!“


3. Stereoanlage oder Telefon: Wie und wo hörst Du Musik? 

„CD und Spotify. Aber ich habe noch eine große CD-Sammlung. Die höre ich auf meiner alten Anlage, die mal richtig top war. Ich bin leider nicht so viel zu Hause, aber wenn ich zu Hause bin, höre ich viel CD. Mit Partitur.“


4. Dein Lieblingskomponist? 

„Oh wie simpel... Schubert!“


5. Ist emotionale Identifikation mit der Musik wichtig bei der Interpretation? 

„Ja, aber nicht immer nötig. Es gibt Stücke, deren reine Bewältigung schon Vergnügen bereiten kann, fast wie bei einer Matheaufgabe. Aber natürlich ist es die persönliche Bindung zur Musik, derentwegen ich den Beruf ergriffen habe.“


6. Junge Dirigenten müssen mehr „machen“ als alte, hast Du mal gesagt. Warum?

„Es ist schwer sich das Wenig-Tun überhaupt zu trauen. Überhaupt Vertrauen zu lernen. Dazu hatte ich lange das Gefühl, dass bei alten Dirigenten die Sogwirkung größer ist als bei jungen. Vielleicht hat das mit Autorität zu tun, auch mit Größe. Die gestische Reduktion, die muss man lernen. Das muss wachsen. Am Ende ist es aber etwas ziemlich Natürliches.“


7. Dirigieren eigentlich die Hände oder die Augen? Oder der Geist? 

„Wenn der Geist der Ursprung ist, dann fließt es durch die Hände, und man kann auch mit geschlossenen Augen dirigieren. Ich mag den Augenkontakt aber sehr gerne. Ich brauche ihn.“


8. Werden Proben überschätzt? 

„Eindeutig nein. Wenn ich als Dirigent Proben nicht als Routine betrachte, sondern als Chance, dann sind sie das Wertvollste überhaupt.“


9. Darf ein Dirigent reden oder muss er zeigen? 

„Ich muss die Leute dazu bringen, mehr zu gucken. Je mehr sie merken, wie viel ich zeige, desto weniger muss ich reden. Aber das Hinschauen muss ich einfordern.“


10. Was nervt am Klassikbetrieb? 

„Die drohende Oberflächlichkeit. Zu erkennen am schwindenden Mut, dem Publikum etwas zu bieten, das es nicht ohnehin schon kennt.“


11. Binden Rituale Publikum oder gerade nicht? 

„Sie binden und verbinden. Manche finde ich erhaltenswert, etwa die Stille während des Konzerts. Andere wie den strengen Dresscode brauche ich als Künstler überhaupt nicht. In einer architektonischen Umgebung, in der Kunst Teil des Alltags wäre, fände ich auch Alltagskleidung angemessen für jede Art von Musik. In jedem Schauspielhaus ist man weniger aufgebrezelt als im Opernhaus. Trotzdem hat Shakespeare keinen Nachteil davongetragen.“


12. Welches Taktstock-Modell muss es sein? 

„Vor fünf Jahren habe ich mal zwanzig Taktstöcke ausprobiert. Seither bin ich bei einem bestimmten Modell geblieben. Mollard. Liegt gut in der Hand, nicht zu lang.“


13. Wann hast Du gespürt, dass das was wäre für Dich, Dirigieren? 

„Mit etwa 25 Jahren, bei meinem ersten Konzert als Dirigent. Weil ich ein völlig neuartiges Bühnengefühl der Freiheit und des Loslassens empfunden habe. Im Gegensatz zu einem ständigen Druck, den ich als Geiger kannte. Beim Dirigieren hat sich dieser Druck im Konzert gelöst zu einem Gefühl der Freiheit und der Inspiration.“